Vereinsgeschichte

Die Jettinger Fasnacht
der Fasnachtsverein Burkhardia Jettingen e.V:

Die Jettinger Fasnacht,
„vom Rumäckra und Pfendra“


Jedes Jahr am Fasnachtsdienstag erfährt die Sage um die drei Brüder Burkhardt in Jettingen eine neue Auferstehung. Dann nämlich zieht der „wilde Zug“ durch Jettingens Straßen und um den Stock, die Ursiedlung Jettingens.


Vor allem durch diesen Brauch ist die Jettinger Fasnacht weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt geworden. Das Rumäckra ist die Erinnerung an die Notzeiten im Dreißigjährigen Krieg, die Ausrottung und Zerstörung des Ortes sowie die Wiederbegründung Seit mehr als 175 Jahren folgt dem Rumäckra ein bunter Fasnachtsumzug, der vom Hanswurst, dem Trommler und von den drei
Fähnrichspaaren sowie drei Bauernpaaren angeführt wird. Seit nunmehr zehn Jahren findet dieser seinen Ausklang in einem bunten Treiben auf dem Marktplatz. Der sich daran anschließende Kehraus in der Turn- und Festhalle sowie in den Gastwirtschaften unseres Heimatortes bildet den Ausklang einer jeden Fasnacht.


Am Aschermittwoch wird durch die Fahnenrückgabe an den Bürgermeister das Amt der Fähnriche beendet. Dabei zieht einer kleiner Zug aus Blasmusik, Fähnrichen, Hanswurst, Trommler und dem Fasnachtskomitee von der seit jeher bekannten Fasnachterwirtschaft, dem Gasthof Sonne zum Rathaus.

 


Der Fasnachtsverein Burkhardia Jettingen

Unser Fasnachtsverein hatte in dem Fasnachtskomitee einen Vorläufer, das über mehr als hundert Jahre mit einigen Unterbrechungen als wilder Haufen die Fasnacht organisierte. Als im Jahre 1987 die Jettinger Fasnacht einzuschlafen drohte, nahmen 1988 einige beherzte Fasnachter das Ruder in die Hand und gründeten den Fasnachtsverein Burkhardia als e.V:. Den Namen wählten wir entsprechend
den Begründern unseres Brauches. Inzwischen hat sich der Verein aus seinen ursprünglich kleinen Anfängen zu einem der größten unserer Heimat entwickelt. Die Vorstandschaft als Initiatoren und Organisatoren der Jettinger Fasnacht, sind nach wie vor das Fasnachtskomitee. Gekleidet sind wir dabei in alter Tradition in Hochzeitsfräcke mit Zylindern, wie sie die Ahnen unserer Fasnacht damals trugen.


Zu den Kernfiguren unseres Vereines zählen wie oben bereits genannt, die Fähnrichspaare, Hanswurst und Trommler. Seit der Vereinsgründung hat sich der Verein in traditioneller Richtung aber auch in neuzeitlicher Richtung weiterentwickelt. So zählen zu unseren aktivsten Mitgliedern eine vereinseigene Wagenbauertruppe die auch die Arbeitsstütze des Vereines bei unseren Veranstaltungen ist.

Bereits ein Jahr nach Gründung des e.V. hatte sich eine Showtanzgruppe gegründet, zu der sich über die Jahre Nachwuchsgruppen wie die Minnis (Kindershowtanzgruppe), Lost in Dance (Jugendshowtanzgruppe) und die Trixis (Jugendshowtanzgruppe) dazugesellten.

Zudem erfahren wir durch unzählige Fußgruppen und Fasnachtswagen die durch Vereinsmitglieder organisiert werden Unterstützung auf unserem aber auch auf auswärtigen Umzügen. Daher zählen wir inzwischen zu den größten Umzugsgesellschaften unserer Heimat, und konnten damit an Traditionen aus dem 18-ten, 19-ten und 20-sten Jahrhundert anknüpfen. So hoffen wir, dass wir mit unserem Engagement für die einmalige Fasnachtstradition unseres Ortes ein Vorbild für unsere Fasnachtskinder sind, und damit diese auf Dauer erhalten können.


Die Burkhardts haben für die überstandenen Mühen und Nöte dieser Zeit unseren
Fasnachtsbrauch ins Leben gerufen. Daher kommen die Kernfiguren der Jettinger Fasnacht, drei Fähnriche die die Burkhardts darstellen. Diese zogen mit einer Fasnachtsfahne durch den Ort und luden von Haus zu Haus zur Fasnacht ein. Dabei bekommen die Fähnriche ein Pfand d.h. eine Gabe um die Fasnacht gebührend feiern zu können. Daher kommt der Name des Brauches, das Pfendern. Die Anfänge der Jettinger Fasnacht fallen in die erste Hälfte des 17-ten Jahrhunderts. Der erste detailierte Bericht über die Gebräuche unserer Fasnacht stammt von Isabella Braun, einer Heimatdichterin, aus dem Jahre 1822.


Zum Fähnrich gewählt zu werden, war und ist seit jeher eine große Ehre. Gleiches gilt für die Fähnrichsbräute, die auf keinen Fall dem Werber einen Korb geben dürfen. Zu Fähnrichen dürfen nur unbescholltene, volljährige Jettinger Burschen einmalig gewählt werden. Dies geschieht meist um den 11.11. jeden Jahres. Ihr Amt übernehmen die Fähnriche jedoch erst am Fasnachtssonntag um 12 Uhr, wo sie auf dem Rathausplatz im Hochzeitsfrack und mit Rosmarin und Backwerk geschmückten Zylindern vom Bürgermeister die Fasnachtsfahne mit dem symbolischen Rathausschlüssel
übernehmen und damit bis zum Aschermittwoch regieren. Bereits am Fasnachtssonntagabend führen Sie ihre „Bräute“ zum Fähnrichsball zum Tanz. Von der überlieferten Forderung, daß es sich bei den Fähnrichsbräuten um „ehr- und tugendsame Jungfrauen“ handeln muß, ist man seit geraumer Zeit abgekommen. Es genügt, wenn die Mädchen vorzeigbar sind, und den Fähnrichen gefallen.


Am Sonntagnachmittag, Montag und Fasnachtsdienstagvormittag pfendern die Fähnriche mit dem Hanswurst und dem Trommler durch die Straßen und laden zur Fasnacht ein. Die beiden letztgenannten Gestalten, der Hanswurst und Trommler, sind laut Überlieferung erst im 19-ten Jahrhundert aufgetaucht. Den Höhepunkt findet unsere Fasnacht am Dienstag. Dort findet um ca. 12 Uhr das „Rumäckra“ statt.
Dabei ziehen drei Bauern, die Hex und der Kiraßbuckel um den Stock.
Der erste Bauer führt ein Pferd, hinter dem der zweite einen hölzernen Pflug führt. Der dritte Bauer läuft als Sähmann hinten drein. Natürlich säht er heutzutage Süßigkeiten für die Kinder. Dahinter kommt ein zweites Pferd mit einer Ackerschleife. Auf dieser liegt der Kiraßbuckel, eine vermummte, bucklige, schwarze Gestalt. Er stellt das Böse, die Pest und Seuche dar. Dieser wird durch die Hex mit „Saublautra“ maltretiert und vertrieben. Früher wurde der Kiraßbuckel auch von den
Leuten am Straßenrand mit allerlei üblem beworfen, selbst Straßenkot diente als Wurfmittel, wie historische Beschreibungen berichten. Der ganze Zug stellt die Unbilden des dreißigjährigen Krieges dar, und die drei Burkhardts die Jettingen wieder aufbauten. Die Bauern waren früher die Fähnriche aus den Vorjahren, wobei inzwischen der Trachtenverein unseres Ortes diese Aufgabe übernommen hat. Es
sind heutzutage leider nicht mehr genügend Trachten zur Verfügung um diesen Brauch aufrecht zu erhalten.